Tradition heißt nicht die Asche aufheben, sondern die Flamme
weiterreichen. (Ricarda Huch)
Aus Worten können Wege werden.
(zur Übergabe der Bibeln an die Konfirmanden)
Liebe Gemeinde,
Wissen sie, was heutzutage die wichtigsten Wörter sind? – Richtig, die Passwörter. Und warum sind sie so wichtig? – Weil sie Zugänge eröffnen. Ohne das richtige Passwort komme ich an bestimmten Stellen einfach nicht weiter. Ob bei der Bank oder bei meinen Emails oder beim Onlineeinkauf. Ohne das richtige Passwort geht nichts. Deshalb sind sie so wichtig. Deshalb soll man sie sicher aufbewahren. Und wer ganz sicher gehen will, der sollte sie auch regelmäßig mal ändern.
Wir haben gestern im Konfirmandenunterricht recht ausführlich über die Bibel gesprochen. Ein sehr altes Buch und ein sehr dickes Buch mit einer sehr vielfältigen Entstehungsgeschichte. Und wir haben das gemacht, weil die Bibel genau dies enthält: Sie enthält Passwörter. Und zwar Passwörter für unser Leben. Weil es nämlich auch im Leben zuweilen Schlüsselwörter braucht, damit sich neue Wege öffnen und wir auf dem Weg des Lebens weiterkommen.
Aus Worten können Wege wegen. Die Bibel enthält solche Worte, solche Passwörter fürs Leben. Und wie ich das meine, das möchte ich jetzt mit meiner Predigt an drei Beispielen erläutern.
Das erste Beispiel sind Christiane und Frank. Die haben im letzten Sommer hier auf Mönchgut geheiratet. Und sie haben mich um den Segen für ihren gemeinsamen Weg gebeten.
Ich erzähle heute davon, weil zu einer Hochzeit immer ein Segensspruch gehört. Das ist ein Bibelvers und den sucht sich das Paar selber aus.
Der Spruch, den sich Christine und Falk ausgesucht haben, der steht im 1. Korintherbrief und lautet: Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen. (1. Kor 16, 14). Und sie haben sich diesen Spruch ausgesucht, weil er für die beiden ein Passwort für ihr Leben ist. Sie haben nämlich gesagt: Wir sind ja beide nicht mehr die jüngsten. Wir haben schon unsere Erfahrungen mit dem Leben, mit der Liebe und auch mit Partnerschaften gemacht. Und wir wissen auch, dass sie nicht immer gelingen.
Aber gerade deshalb wollen wir an der Liebe festhalten. Wir haben gelernt, dass das nur mit Toleranz gegenüber dem anderen und seiner Andersartigkeit gehen kann. Gerade diese Toleranz ist für uns deshalb ein Zeichen der Liebe. Und sie haben das ausdrücklich mit einem zweiten Spruch unterstrichen, der von Michael Quoist stammt und lautet: Wer den anderen liebt, lässt ihn gelten so, wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird. Damit uns das gelingt, so sagen sie, deshalb wollen wir alle Dinge in der Liebe geschehen lassen. Und das ist deshalb unser Passwort für unsere Beziehung.
Passwörter fürs Leben: Als zweites Beispiel fallen mir die zwei Kinder, zwei Jugendlichen und zwei Erwachsenen ein, die sich am 3. Advent in Göhren haben Taufen lassen. Auch zur Taufe gehört immer ein Bibelvers, der dem Täufling mit auf den Lebensweg gegeben wird. Und auch dieser Spruch soll dann ein Passwort fürs Leben sein.
Besonders berührt hat mich der Taufspruch, den die Familie für die kleine Pia ausgesucht hat. Der steht im Propheten Jesaja und lautet: Die auf den Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt. (Jes. 40, 31)
In diesem Spruch steckt der große Wunsch der Eltern und Paten, dass das Pia kraftvoll ihren Lebensweg gehen möge und sie im Glauben immer wieder die nötige Kraft dafür findet. Für Pia kann dieser Spruch das Schlüsselwort sein, das ihr die Kraftquellen des Lebens aufschließt – wenn sie auf Gottes Begleitung zu vertrauen wagt. Und am 3. Advent haben wir dieses Vertrauen dann mit einigen Chorälen aus dem Weihnachtsoratorium unterstrichen, u.a. mit diesem Vers:
Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Not,
er will eu’r Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein.
Passwörter fürs Leben: Als drittes denke ich an Wolfgang. Wolfgang war 69 Jahre alt und ist vor kurzem ganz plötzlich gestorben. Bei seiner Beerdigung haben wir nochmal auf sein Leben zurückgeschaut: Bei seiner Geburt war er ein eher schwächliches Kind. Sein Vater ist früh gestorben. Schon früh musste er in der elterlichen Gastwirtschaft mitarbeiten. Später hat er sie dann übernommen und auch durch die DDR-Zeit und dann nach der Wende als Familienbetrieb weitergeführt, selbstständig, also selbst und ständig, wie er immer gesagt hat.
Wolfgang ist 1970 in Middelhagen konfirmiert worden. Bei seiner Konfirmation hat er einen Konfirmationsspruch bekommen. Und an diesen Spruch haben wir uns bei der Beerdigung erinnert, denn auch dieser Spruch ist wie ein Passwort für sein Leben. Er lautet: Du wirst mit Gottes Hilfe heimkehren. Halte fest an der Liebe und an der Gerechtigkeit! Und setze deine Hoffnung stets auf deinen Gott! (Hosea 12, 7)
Und genauso hat Wolfgang gelebt: Er hat an seiner Heimat Mönchgut festgehalten und ist immer wieder hierher zurückgekehrt. Diesem Ort und den Menschen hier galt seine Liebe. Aber er hat seine Hoffnung dabei immer auch auf Gott gesetzt. Er wusste aus eigener Erfahrung, wie zerbrechlich das Leben ist. Und als wir ihn zu Grabe getragen haben, da haben wir dies in der Hoffnung getan, dass er auch jetzt bei Gott aufgehoben ist und bleibt auf ewig.
Natürlich kann auch so ein Bibelwort die Trauer und den Schmerz des Abschieds nicht wegmachen. Aber es kann helfen und trösten, auch an der Grenze des Lebens.
Deshalb sage ich nochmals: Wir alle brauche Passwörter, Passwörter fürs Leben. Wir brauchen Schlüsselworte, die uns zeigen, was wirklich wichtig ist im Leben, die Liebe zum Beispiel. Wir brauchen Worte, die uns Kraft geben. Und wir brauchen Worte die helfen und tragen auch dann noch, wenn wir mit unseren Kräften und sogar mit unserem Leben an Grenzen stoßen.
Weil das so ist, deshalb bekommt ihr als Konfirmanden heute in diesem Gottesdienst eure eigene Bibel. Weil die Bibel einen Vorrat an Passwörtern hat, die euch im Leben weiterhelfen können. Gestern im Konfirmandenunterricht haben wir das schon mal spielerisch geprobt. In gut einem Jahr, wenn ihr dann konfirmiert werdet, wird ein Bibelwort dann euer Konfirmationsspruch sein.
Ich hoffe, auch der ist dann wie ein Schlüsselwort, dass euch auf dem weiteren Weg eures Lebens begleitet. Und ich wünsche euch und jedem von uns, dass wir alle unsere Passwörter fürs Leben finden. Weil sie lebenswichtig sind, auch heute.
Amen
1. März 2026 - Pastor Olav Metz
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