Tradition heißt nicht die Asche aufheben, sondern die Flamme
weiterreichen. (Ricarda Huch)

Brot unseres Lebens
(zum 1. Advent 2022)

Liebe Gemeinde, liebe kleinen und liebe großen Leute,

einen Altar voller Brote haben wir heute hier. Das gab es noch nie am 1. Advent. Und was das soll, darüber möchte ich jetzt kurz ein paar Worte sagen. Ich habe mir dazu eine Hilfe geholt. Diese Hilfe ist ein wunderschönes kleines Gedicht. Geschrieben hat es Wilhelm Busch, den sicherlich alle kennen, der hat nämlich auch die Geschichte von Max und Moritz aufgeschrieben. Heute geht es aber nicht um diese beiden bösen Buben, sondern um das Brot. Und genauso heißt auch das Gedicht von ihm, das wir jetzt hören werden.

Das Brot

Er saß beim Frühstück äußerst grämlich,
da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich:
»Warum schaust du so finster drein?
Es scheint dir nicht genug zu sein
mit mir die guten Erdengaben
zu Stärkung und Genuss zu haben.

Du grämst dich, weil dir was misslang,
bist sorgenvoll, schon tagelang.
Doch hör: wer seinen Blick erweitert
und schaut nach hinten und nach vorn,
der weiß, dass auch der Kummer läutert:
Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im rauhen Ackerland.

Bedrückt von einem Erdenkloß,
Macht’ ich mich mutig strebend los.
Gleich kam ein alter Has gehupft
Und hat mich an der Nas gezupft.
Und als es Winter ward, verfror,
Was peinlich ist, mein linkes Ohr.

Und als ich reif mit meiner Sippe,
O weh, da hat mit seiner Hippe
Der Hans uns rutschweg abgesäbelt
Und zum Ersticken festgeknebelt
Und auf die Tenne fortgeschafft,
Wo ihrer vier mit voller Kraft
In regelrechtem Flegeltakte
Uns klopften, dass die Schwarte knackte.

Ein Esel trug uns nach der Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
Wenn man, zerrieben und gedrillt
Zum allerfeinsten Staubgebild,
Sich kaum besinnt und fast vergisst,
Ob Sonntag oder Montag ist.

Und schließlich schob der Bäckermeister,
Nachdem wir erst als zäher Kleister
In seinem Troge bass gehudelt,
Vermengt, geknetet und vernudelt,
Uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?

Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
Greif zu und schneide nicht zu knapp,
Und streiche tüchtig Butter drüber
Und gib den andern auch was ab!«

Liebe großen und kleinen Leute, dieses schöne Gedicht sagt mir drei Dinge.

Als erstes sagt es: Brot ist wertvoll! Es ist wertvoll, weil unglaublich viel Mühe und Arbeit in ihm steckt. Zuerst wird das Korn ausgesät. Das muss erstmal wachsen und dass es gut wächst, das ist nicht selbstverständlich, z.B. wenn es zu nass oder zu trocken ist. Dann wird das Korn gemäht und eingefahren. Es wird gedroschen und gemahlen. Es wird im Teig geknetet und erst dann kann daraus Brot gebacken werden.

Früher wussten die Leute, was da in einem Brot steckt, weil sie vieles selber gemacht und selber erlebt haben. Heute kaufen wir das Brot i.d.R. im Laden. Aber auch heute steckt ganz viel Arbeit darin und auch heute muss das Korn erstmal wachsen. Bäcker Mudrick hat gestern mit den Konfis mal gezählt, wie oft er von der Mehltüte am Anfang bis zur Einkaufstüte am Ende Hand an ein Brötchen legen muss: 14 Mal! Deshalb ist es gut, wenn wir uns auch heute daran erinnern, wie wertvoll das Brot ist. Und wir sollten dankbar sein, es zu haben, denn Brot zu haben, ist auch heute keineswegs selbstverständlich.

Und hier schließt sich nahtlos mein zweiter Gedanke an. Und dieser lautet: Gib ab! Gerade weil Brot keine Selbstverständlichkeit ist, sollten wir es teilen mit denen die, weniger haben. „Und gib den andern auch was ab!“ - Mit dieser Bitte endet deshalb auch das Gedicht von Wilhelm Busch. Und genau dies tun wir heute auch. Wir tun es mit den Broten die die Konfis gebacken haben. Die vier Euro, die sie dafür geben, die kommen drei Projekten in verschiedenen Ländern der Welt zu Gute. Und welche das sind, dazu sagt jetzt meine Frau, die die Konfis auf ihrer gestrigen ‚Backtour‘ zu Bäcker Mudrick begleitet hat, ein paar Worte.

((Die Infos zu der Aktion finden sie unter https://www.5000-brote.de/))

Und gib den andern auch was ab! – Das tun sie, wenn sie heute eines der Brote mitnehmen. Und sie tun es auch mit der Kollekte, denn die ist heute am 1. Advent in ganz Deutschland bestimmt für die Aktion Brot für die Welt. Was viele nämlich nicht wissen: Die Adventszeit ist eigentlich eine Fastenzeit. Und das Teilen – so haben wir in der Lesung aus dem Propheten Jesaja gehört – ist eine wunderbare Form zu fasten.

Brot ist wertvoll. – Das war mein erster Gedanke. Deshalb gib ab, teile! – Das war mein zweiter Gedanke. Mein dritter und letzter Gedanke lautet: Das Brot ist ein wunderbares Symbol für das, was Jesus von uns und für uns will. Und zwar deshalb, weil das Brot ein Zeichen der Verwandlung ist. Weiß jemand, wo und wie sich das Brot verwandelt?

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Genau. Es verwandelt sich mehrfach. Die größte Verwandlung ist aber, dass durch das Backen aus dem zähen Teig ein Brot mit Krumen und Kruste wird, das ganz wunderbar riecht und schmeckt.

Genau das will Jesus für uns Menschen. Er will das wir uns wandeln uns verwandeln. Nicht nur an uns und unsere Sorgen denken, sondern über unseren Tellerrand hinausschauen und auch die anderen nicht vergessen. Das ist manchmal nicht so leicht, weil wir in unserer Herzenshaltung etwas ändern müssen. Aber Jesus kommt in unsere Welt, weil er sich sicher ist: Das können wir, jeder von uns. Und das brauchen wir. Damit unser Leben sinnvoll wird. Und damit wir als Menschen gut zusammenleben.

Deshalb sagen wir als Christen auch: Jesus ist das Brot des Lebens. Weil er uns darauf hinweist, was für unser Leben und unser Zusammenleben wirklich wichtig ist. Und deshalb ist es gut, wenn wir Advent nicht nur mit Kerzen und mit Keksen feiern und es uns gut gehen lassen, sondern auch mit Brot, wenn wir es achten und wenn wir es teilen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine frohe und gesegnete Adventszeit und guten Appetit!

Amen

 

!. Advent 2022 - Pastor Olav Metz