Tradition heißt nicht die Asche aufheben, sondern die Flamme
weiterreichen. (Ricarda Huch)

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Ostergottesdienst 4. April 2021
Weltgebetstag 7. März 2021
Epiphanias 17. Januar 2021
Heiligabend 2020


Meine Talente
(Mt 25, 14-30)

Liebe Gemeinde,

setzt eure Talente ein und setzt sie gewinnbringend ein: So sagt unser Predigttext. Und mit diesen Worten sind wir mitten in unserer Welt. Denn nichts anderes ist es, was unsere Gesellschaft und ihr Wachstum, die Wirtschaft und die Märkte am Laufen hält: Das Streben nach Gewinn.

So könnte man denken, wenn Jesus diese Worte von den Talenten nicht als Bild verwenden würde. Denn das bedeutet: Jesus will damit nicht etwa sagen: Maximiere deinen materiellen Gewinn. Jesus geht es um weit mehr. Und das kann ich mit diesem Gleichnis sogar ‚vorrechnen‘.

Der Mann, der auf Reisen geht, vertraut seinen Knechten ja Talente an, dem einen fünf, dem nächsten zwei und dem dritten eines. Talente aber waren eine unglaublich große Währungseinheit. Ein Talent entsprach vor 2.000 Jahren dem Lohn von knapp 20 Arbeitsjahren! Das mal 2 bzw. mal 5 wären 40 bzw. 100 Arbeitsjahre, also ein ganzes oder sogar mehr als ein Menschenleben!

Genau darum geht es Jesus: Um unser ganzes Leben. Es geht ihm um die Gaben und Begabungen, die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die in uns stecken. Und genauso benutzen wir das Wort Talent ja auch heute: Wenn jemand gut singen oder malen, gut reden oder Fußball spielen kann, dann sagen wir: Der hat Talent; er oder sie ist ein Talent.

Wir alle, haben Talente und das ist gut. Klar sagt Jesus nun aber auch: Diese Talente sind unterschiedlich verteilt. Der eine hat mehr, der andere weniger abbekommen. Das ist sicherlich nicht gerecht, aber anders ist das Leben nicht zu haben. Umso wichtiger ist deshalb, dass wir nicht neidisch auf andere schielen, sondern unsere Talente entfalte und mit ihnen arbeiten.

Und noch eine wichtige Feststellung trifft Jesus mit seinem Gleichnis. Er sagt: Deine Talente gehören dir nicht; sie sind nicht dein Eigentum. Sie sind vielmehr eine Gabe, genau genommen sogar eine Leihgabe, und zwar von Gott. - Die eigenen Gaben so zu sehen, das ist gerade in unserer Zeit eher ungewöhnlich. Umso spannender ist es, auf die Konsequenzen zu schauen, die diese Sichtweise Jesu hat.

Eine erste Konsequenz ergibt sich im Blick auf das Gottvertrauen. Wir reden in der Kirche ja oft vom Gottvertrauen. Und wir meinen damit das Vertrauen, das wir in Gott setzen. Wenn wir aber unsere Talente als Gaben Gottes verstehen, dann heißt Gottvertrauen auch umgekehrt: Gott vertraut uns etwas an. Er vertraut uns unsere Talente an. Er vertraut uns damit sein Vermögen an. - Darin steckt unglaublich viel Gottvertrauen, also Vertrauen Gottes in uns.

Meine Talente sind Leihgaben Gottes: Die zweite Konsequenz aus diesem Gedanken ergibt sich im Blick auf die Verantwortung: Für etwas, was ich nur geborgt habe, bin ich nämlich nicht nur mir selber verantwortlich, sondern auch noch jemand anderem. Als Christen sagen wir deshalb: Wir sind Gott verantwortlich. Und auch darauf weist Jesus mit seinem Gleichnis nachdrücklich hin, denn da fordert der Hausherr am Ende Rechenschaft für die anvertrauten Talente. Er fragt nach, was aus den Talenten geworden ist.

Also: Wir alle haben Talente und die sind unterschiedlich verteilt sind. Wenn wir sie als Geschenk Gottes verstehen, dann sind sie ein Zeichen für das Vertrauen, das er in uns setzt. Und wir sind dann auch vor uns und ihm dafür verantwortlich, was wir aus unseren Talenten machen. Soweit so gut. Zwei Punkte müssen wir in diesem Zusammenhang nun aber noch bedenken: Das ist die Sache mit dem Risiko. Und das ist die Sache mit der Liebe.

Sie erinnern sich: Der dritte Knecht vergräbt sein Talent, weil er Angst hat, und zwar Angst vor dem Risiko. Und diese Angst ist keineswegs unberechtigt, denn es steht nirgendwo geschrieben, dass ich immer gewinne, wenn ich meine Gaben einsetze. Ich kenne einige Leute, der mit ihren Gaben viel gewagt und viel verloren haben.

Was ist, wenn wir verlieren? Direkt sagt Jesus nichts dazu. Indirekt aber schon: Am Ende unseres Textes fallen ja sehr harte Worte über den dritten Knecht und er wird verurteilt. Verurteilt wird er aber nicht, weil er mit seinem Talent etwas gemacht und verloren hat, sondern weil er nichts gemacht hat.

Ich entnehme dem: Das Problem ist nicht das Scheitern, sondern die Angst vor dem Scheitern und die daraus folgende Untätigkeit. Die Risiken des Lebens sind unvermeidlich. Trotzdem soll ich mich aber trauen, etwas zu unternehmen und meine Talente einzusetzen. Und wenn ich mich trauen, dann vertraue ich darauf, dass der Hausherr, also Gott, mich annehmen wird, auch dann, wenn ich dabei etwas in den Sand setze.

Und an dieser Stelle möchte ich jetzt den Taufspruch von Johanne mit in die Predigt einbinden. Der steht im 1. Buch Mose und lautet: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hingehst. (1. Mose 28, 15)

Nein, Begleitung Gottes hießt nicht, dass immer alles glatt geht, dass mir alles gelingt und ich immer auf der Sonnenseite des Lebens stehe. Das ist bei niemandem von uns so und das wird auch bei Johanne nicht so sein. Sich auf die Begleitung Gottes verlassen heißt vielmehr, die Angst zu überwinden und sich auf den Weg des Lebens wagen mit all seinen Risiken und allen Fehlern, die ich auf diesem Weg mache. Es heißt, dabei darauf zu vertrauen, dass Gott mich nicht fallen lässt auch wenn mal was daneben geht, sondern dass er an meiner Seite ist und bleibt, jeden Tag. Und wir wünschen Johanne mit ihrer Taufe heute, dass sie genau dies erlebt und sie so mutig den Weg ihres Lebens gehen kann.

Soviel zur Sache mit dem Risiko. Und dem schließt sich jetzt noch die Sache mit der Liebe an. Denn die Frage ist natürlich, wofür ich als Christ meine Talente einsetzen soll. Und da möchte ich jetzt auf den Taufspruch von Leonard kommen. Da sagt Paulus nämlich im 1. Korintherbrief: Darum bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1.Korinther 13, 13)

Meine Talente einsetzen und mit ihnen Gewinn machen, das heißt im christlichen Sinne also gerade nicht, sich rücksichtlos durchzusetzen. Es heißt vielmehr, sie im Sinne der Liebe einzusetzen. Wer dies tut, der wird im Sinne Jesus die meisten Talente dazugewinnen. Und Leonard wünsche ich, dass er dies oft erlebt und selber praktiziert.

Wir alle haben Talente und die sind unterschiedlich verteilt sind. Wenn wir sie als Geschenk Gottes verstehen, dann sind sie ein Zeichen für das Vertrauen, das er in uns setzt. Aber wir sind dann auch vor uns und ihm dafür verantwortlich, was wir aus unseren Talenten machen.

Das Risiko ist damit nicht zu umgehen. Dass ich nicht gewinne, sondern verliere, das wird immer wieder vorkommen. Deshalb aber Angst zu haben und nichts zu riskieren und meine Talente zu vergraben, das ist, so sagt Jesus, die falsche Konsequenz. Wichtig ist vielmehr, dass ich meine Talente dennoch immer wieder einzusetzen wage und mich dabei auf Gottes Begleitung verlasse. Und dass ich dabei das Wesentliche nicht aus den Augen verliere. Und das ist – die Liebe.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir tüchtige und treue Diener Gottes sind, die mit ihren Talenten viel bewegen. Ich wünsche das besonders Johanne und Leonard auf den Wegen die vor ihnen liegen. Und ich wünsche das uns allen, heute an diesem Sonntag und noch mehr morgen in unserem Alltag.

Amen

 

 

1. August 2021 - Pastor Olav Metz