Tradition heißt nicht die Asche aufheben, sondern die Flamme
weiterreichen. (Ricarda Huch)

Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich!
(Psalm 104 / Weisheit 7, 15-20 / Mt 6, 25-34)

Liebe Gemeinde,

Jesus ist gegangen; das war Himmelfahrt. Der Heilige Geist kommt; das wird Pfingsten sein. Mit dem heutigen Sonntag sind wir genau dazwischen. Und da wir ja außerdem gerade mitten in der Frühlingszeit sind, bietet es sich an, dass wir uns einmal auf das besinnen, was bleibt neben dem Sohn, der gegangen ist und dem Heiligen Geist, der kommt.

Dieses Continuum, das bleibt, das ist unsere Welt. Denn die, so glauben wir als Christen ist Gottes Werk und in ihr finden wir seine Spuren. Darauf wollen wir uns in diesem Gottesdienst besinnen. Und wir wollen das gemeinsam tun, und zwar mit dem Kanon, den sie auf dem Liedblatt finden. Dieser Kanon nimmt die Gedanken des 104. Psalms auf, den wir am Anfang gemeinsam gesprochen haben. Und jetzt wollen wir den ein erstes Mal gemeinsam singen.

Kanon: Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke! Ich will singen dem Herrn mein Leben lang; ich will loben meinen Gott, solange ich bin.

Die Schöpfung trägt die Handschrift Gottes. In ihr und durch sie können wir Gottes Spuren entdecken. Die wohl beeindruckteste Spur, die er in ihr hinterlassen hat, das ist die Spur des Lebens. Gerade jetzt im Frühjahr, wenn alles grünt und blüht, wird uns das wieder ganz besonders bewusst. Das Leben entfaltet sich in unglaubliche Pracht und Vielfalt.

Dank der Naturwissenschaften wissen wir heute weit besser als alle Generationen vor uns, wie umfassend und vielfältig und fein gesponnen dieses Netz des Lebens ist. Und wir wissen auch, dass wir Menschen in dieses Netz eingesponnen sind. Gerade in der letzten Woche habe ich einen Beitrag über Bakterien gelesen, die in uns leben, besonders in unserem Verdauungssystem, und ohne die wir nicht lebensfähig wären.

Wir wissen aber auch, wenn wir es denn wissen wollen, dass wir unseren Teil dazu tun müssen, dass diese Fülle des Lebens erhalten bleibt. Denn das ist es, was Gott für seine Schöpfung will. Und in der Hoffnung, dass wir alle die Schöpfung immer wieder neu als so wunderbare Gabe Gottes erkennen und erhalten, wollen wir ein zweites Mal singen: Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich...

Kanon: Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke! Ich will singen dem Herrn mein Leben lang; ich will loben meinen Gott, solange ich bin.

Die Schöpfung trägt die Handschrift Gottes. In ihr und durch sie können wir Gottes Spuren entdecken. Eine zweite Spur, auf die uns Gottes Schöpfung führt, das ist die Freude. Sich zu freuen an Sonnenschein und blauem Himmel, an Maiglöckchen und Fliederblüte, an Schwalbengezwitscher und Schmetterlingen, aber– wie heute - auch an Wind und Regen, die ebenso wichtig für das Leben sind, das ist wohl die schönste Antwort, die wir auf die Fülle der Schöpfung geben können.

Besonders bemerkenswert ist daran aber: Wir werden dadurch Gott ähnlich. Denn Gott selber, so sagt der Psalm, freut sich seiner Werke. Das heißt, die Schönheit der Schöpfung berührt Gott im Herzen.

Gott freut sich und wir sollten ihm in dieser Freude nicht nachstehen. Und so wollen wir ein drittes Mal gemeinsam singen: Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich. Der Herr freue sich seiner Werke…

Kanon: Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke! Ich will singen dem Herrn mein Leben lang; ich will loben meinen Gott, solange ich bin.

Die Schöpfung trägt die Handschrift Gottes. In ihr und durch sie können wir Gottes Spuren entdecken. Eine dritte Spur, auf die uns seine Schöpfung führt, das ist die Spur der Weisheit. Und hier denke ich heute besonders an die Worte Jesu, die wir im Evangelium gehört haben: Seht die Vögel unter dem Himmel. Leben sie nicht wunderbar ohne sich zu sorgen? Und seht die Lilien auf dem Feld. Sind sie nicht viel schöner als alle menschliche Pracht?

Bei allem, was wir selber zu besorgen und zu versorgen haben und bei allem, was uns heute auch Sorgen macht: Die Schöpfung zeigt uns, dass es weise ist, davon im rechten Moment auch mal lassen zu können. Weil auch unser Leben trotz all seiner Grenzen und auch in Zeiten von Corona nicht zum Sorgenfall werden soll, sondern trotz allem ein Ebenbild der Schönheit, zu der wir als Teil dieser Schöpfung berufen sind. Und damit uns das gelingt, deshalb wollen wir jetzt ein letztes Mal singen. Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich.

Kanon: Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke! Ich will singen dem Herrn mein Leben lang; ich will loben meinen Gott, solange ich bin.

Die Schöpfung trägt die Handschrift Gottes. In ihr und durch sie können wir Gottes Spuren entdecken. Ich wünsche mir, dass wir ihn entdecken. In seiner Schöpfung und in uns als einem Teil dieser Schöpfung. Ich bin mir sicher, das würde uns weise machen. Und ich bin mir auch sicher: Darüber würde sich Gott sehr freuen.

Amen

 

Pastor Olav Metz - 24. Mai 2020

 


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