Tradition heißt nicht die Asche aufheben, sondern die Flamme
weiterreichen. (Ricarda Huch)

Auf dem Meer des Lebens
(Predigt zum Taufgottesdienst im Reddevitzer Höft)

Liebe Gemeinde,
vor allem aber liebe Felice, liebe Jenna Marie und lieber Patrick,

wir sind heute zu diesem Gottesdienst und heute zu eurer Taufe ja an einem ganz besonderen Ort. Wir sind hier im Reddevitzer Höft. Das heißt: Wir haben eine tolle Aussicht auf das Wasser und die Wellen. Wir können die Sonne und die frische Luft genießen. Aber wir spüren auch deutlich, wenn es stürmisch oder regnerisch wird. Wir haben hier eben kein Dach über dem Kopf und erleben die Natur deshalb hautnah. Und das gilt nicht etwa nur für uns hier an Land. Es gilt noch weit mehr für die, die draußen auf dem Wasser sind.

Die beiden biblischen Geschichte, die wir gerade gehört haben, erzählen von solchen hautnahen Lebensgeschichten. Da sind die Jünger, die erfahrene Fischer sind und sich mit dem Wasser auskennen und die in einen beängstigenden Sturm geraten. Und da ist Jona, der sich davonmacht und schon in sicherer Entfernung wähnt. Auch er gerät in einem Sturm. Und am Ende wird er über Bord geworfen, weil man damals glaubte, man könne das Meer besänftigen, indem man ihm einen Menschen opfert.

Sonne und Wind und Wellen ganz direkt spüren, das erlebt man nicht, wenn man hinterm Ofen sitzt, sondern nur draußen in der Natur und ganz besonders draußen auf dem Wasser. Und ich glaube, gerade deshalb ist das Meer ein gutes Bild für unser menschliches Leben. Weil es auch im Leben sonnige Zeiten gibt und stürmische Zeiten gibt. Und weil wir unser Leben ja auch nicht aus der Entfernung beobachten können, sondern das alles ganz direkt zu spüren bekommen.

Ich bin sicher, auch ihr als Täuflinge habt da längst eure Erfahrungen gemacht: Es gibt Tage, da ist alles gut und entspannt und ich kann mein Leben in vollen Zügen genießen. Aber es gibt auch Tage, da läuft alles schief, Stress in der Schule oder bei der Arbeit. Da schlagen die Wellen des Lebens über mir zusammen und ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Und das hat nun direkt etwas mit der Taufe zu tun. Denn die Taufe ist ein Zeichen für dieses Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Und wir setzen dieses Zeichen aus zwei Gründen.

Der erste Grund ist, dass Gott mit der Taufe sagt: Ich möchte, dass du keine Angst vor diesem Auf und Ab des Lebens hasst. Und wenn du doch mal Angst bekommst, dann verspreche ich Dir: Ich bin bei Dir und begleite Dich, immer, egal, was kommt.

Genau das erleben die Jünger auf dem Schiff: Als sie Angst bekommen, da ist Jesus für sie da und hilft ihnen. Und als Jona ins Meer geworfen wird, da lässt Gott einen großen Fisch kommen, der Jona in seinem Bauch wieder an Land bringt.

Dass Gott da ist und mir hilft, manchmal auf sehr alltägliche und manchmal auf wundersame Weise, dass ist die große Hoffnung, die wir mit der Taufe verbinden. Und wie groß diese Hoffnung ist, das ist mir an dem Taufspruch aufgefallen, den Jenna Marie und Felice sich ganz unabhängig voneinander ausgesucht haben. Dieser Spruch steht im 91. Psalm und lautet: Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. (Psalm 91, 11+12)

Liebe Felice und liebe Jenna Marie, ich wünsche Euch, das ihr im Auf und Ab eures Lebens erlebt: Gott ist an meiner Seite; sein Engel begleitet mich. Das wird euch nicht vor den Stürmen des Lebens bewahren; durch die müsst auch ihr durch genauso wie Jona und die Jünger damals. Aber wenn Gott euch begleitet, dann habt ihr trotzdem einen Halt, der bleibt. Oder wie es der 139. Psalm ausdrückt, den wir am Anfang gesprochen haben: Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch da deine Hand mich schützen und deine Recht mich halten.

Dass ihr diesen Halt spürt, das wünsche ich euch beiden von ganzem Herzen. Und das ist der erste Grund, weshalb wir euch heute taufen. Es gibt aber noch einen zweiten Grund. Und der steckt in dem Taufspruch, den du, Patrick, dir ausgesucht hast. Der steht im Buch der Sprüche und lautet: Wo man nicht mit Vernunft handelt, da ist auch Eifer nichts nütze; und wer hastig läuft, der tritt fehl. (Sprüche 19, 2)

Was Gott für uns tut, dass er uns hält und trägt, das ist das eine. Das andere ist, was wir tun können. Du, Patrick, sagst mit diesem Spruch: Ich möchte meinen Teil tun und ich möchte ihn ordentlich tun. Dafür braucht es nicht blinden Eifer, sondern vernünftige nüchterne Überlegung. Und es braucht nicht Hast und Eile sondern Ruhe und Gelassenheit.

Wie wichtig das ist, das weist du allein durch deine beruflichen Erfahrungen sehr genau. So wünsche ich dir von Herzen, das dir das gelingt: Zu tun, was nötig und wichtig und richtig ist und es mit Ruhe und Überlegung tun zu können. Und deine Taufe ist das Zeichen dafür, dass du selber Ja dazu sagst und dies für dich ein Grundsatz fürs Leben sein soll.

Die Taufe ist ein Zeichen für das, was Gott tut. Und sie ist ein Zeichen für das was wir tun können. Dies beides steckt in euren Taufsprüche drinn. Auf einen wichtigen Punkt möchte ich hier nun aber nochmal ausdrücklich hinweisen. Der Punkt ist: Was Gott tut und was wir tun können, dies Beides gehört unbedingt zusammen. Nicht ‚entweder – oder‘ sondern ‚sowohl – als auch‘. Und damit komme ich jetzt nochmal auf die Seefahrt als ein Bild für das Leben zurück. Der Dichter Gorch Fock hat diese beiden Seiten der Taufe und des Lebens überhaupt in einem kleinen Vers wunderbar zusammengefasst. Er hat gesagt: Gottes sind Wogen und Wind aber Segel und Steuer sind euer, dass ihr den Hafen gewinnt.

In diesem Sinne wünsche ich nicht nur Felice und Jenna Marie sondern auch Patrick und uns allen, das Gott uns immer nahe ist, dass seine Wellen uns tragen und sein Wind uns die Kraft gibt, neue Ufer zu erreichen.

In diesem Sinne wünsche ich aber nicht nur Patrick, sondern auch Felice und Jenna Marie und uns allen, dass wir das Steuer unseres Lebens in die Hand nehmen, dass wir die Segel setzen um die Kraft seines Windes zu nutzen und dass wir dies nicht blind tun, sondern mit Ruhe und Überlegung.

Ich bin da. Das ist der Zuspruch Gottes für uns. Und du kannst deinen Teil tun. Das ist der Anspruch Gottes an uns. Liebe Täuflinge, eure Taufe ist das Zeichen dafür, dass ihr zu beidem Ja sagt. In diesem Sinne möchte ich euch heute taufen. Und dann wünsche ich euch, dass euer Weg gelingt, dass ihr das Leben hautnah spürt und keine Angst habt und dass ihr heil an euer Ziel kommt so wie Jona und die Jünger damals.

Amen

 

18. August 2019, Pastor Olav Metz