Tradition heißt nicht die Asche aufheben, sondern die Flamme
weiterreichen. (Ricarda Huch)

Im Licht der Liebe
(1. Johannes 1,5 bis 2,6)

Liebe Gemeinde,

wie ist Gott? Wie kann ich mir Gott vorstellen? Womit kann ich ihn vergleichen?- Die Bibel warnt uns vor dieser Frage: Schon im zweiten Gebot des Dekalogs heißt es ausdrücklich: Du sollst dir kein Bild von Gott machen. Und dies nicht, um uns damit Einsichten und Erkenntnisse vorzuenthalten, sondern weil sie weiß: Wir können Gott mit unseren Bildern und Vorstellungen immer nur begrenzt erfassen.

Andererseits weiß die Bibel aber auch: Wir Menschen können gar nicht anders, als uns unsere Gedanken und damit auch unsere Bilder von Gott zu machen. Sie selber bietet uns deshalb eine Fülle von Bildern für Gott an: Der Fels, die Burg, Der Schirm, das Schild, der gute Hirte, die Stimme verschwebenden Schweigens… Und auch unserem heutigen Predigttexten liegt eines der zentralen Bilder für Gott zu Grunde. Und dieses Bild ist das Licht.

Gott ist Licht, so sagt Johannes. Was das bedeutet, das beleuchtet er in unserem Text. Diesen Gedanken möchte ich mit meiner Predigt nachgehen. Und ich habe mir dafür – sozusagen zur Illustration - drei Lichtquellen zu Hilfe geholt.

Die erste dieser Lichtquellen ist die Sonne. Ihr Licht leuchtet uns jeden Tag. Und sie ist unser wichtigste Lebenslicht, denn ohne sie gäbe es kein Leben. Johannes ist sich dieser lebensstiftenden Funktion des Lichts wohl bewusst, denn er schreibt: Wenn wir einen Leben in Licht führen, dann haben wir Gemeinschaft. Und Leben bedeutet letztlich nichts anderes als Gemeinschaft haben.

Wenn Gemeinschaft gelingt, dann ist das Leben gesegnet. Und das feiern wir heute in besonderer Weise: Wir werden n.n. und n.n. segnen, die seit 50 Jahren gemeinsam ihren Weg gehen. Und wir werden n.n. und n.n. segnen, die noch mehr am Anfang ihres gemeinsamen Weges stehen. Damit sagen wir: Wir vertrauen darauf, dass dieses Licht Gottes ihnen leuchten so wie das Licht der Sonne, jeden Tag. Und wir vertrauten darauf dass dadurch ihr Leben gelingt, also ihre Gemeinschaft untereinander, mit anderen und mit Gott.

Soviel zur Sonne als erstem Bild für das Licht Gottes. Das zweite ‚Lichtbild‘, das mir bei den Worten des Johannes eingefallen ist, das ist dieser Leuchtturm.

Leuchttürme sind ja ein Zeichen dafür, dass es nicht immer licht ist. Es gibt auch dunkle Zeiten, Zeiten der Finsternis. Es sind die Zeiten, in denen Gemeinschaft misslingt, in denen wir orientierungslos sind und uns zuweilen verlaufen. Sie als goldenes Hochzeitspaar wissen durchaus um dunkle Zeiten auf ihrem gemeinsamen Weg. Und auch sie als grünes Hochzeitspaar haben beide schon ihre dunklen Erfahrungen gemacht: Beziehungen, die scheitern. Liebe, die erlischt. Gemeinschaft, die zerbricht.

Auch Johannes weiß um diese finsteren Zeiten des Lebens und er nennt sie Schuld. Schuld hat manchmal was damit zu tun, das wir etwas verschulden, also etwas falsch machen. Manchmal bedeutet Schuld aber auch einfach, dass wir dem Leben oder dem Nächsten oder uns selbst etwas schuldig bleiben; weil die Kraft fehlt, weil die Worte fehlen, weil der Zugang zueinander fehlt. Dann misslingt Gemeinschaft und wir laufen in die Finsternis.

Sie, Frau n.n., haben erzählt, dass es bei ihnen zu Hause ganz viele Leuchttürme gibt. Und ich vermute, die haben ihre tiefe Bedeutung gerade darin, dass sie wohl wissen: Gerade in diesen Zeiten brauchen wir ein Licht, an dem wir uns neu orientieren können und dass uns die Richtung weist. Damit wir durch die Finsternis hindurch den Weg finden und es wieder licht wird in uns und um uns. Und in diesem Sinne wünsche ich den beiden Hochzeitspaaren und uns allen, dass das Licht Gottes für uns wie ein Leuchtturm ist, der uns gerade in den dunklen Zeiten leuchtet.

Soviel zu diesem Leuchtturm. Ich habe aber noch eine dritte Lichtquelle im Gepäck und das ist die Fernbedienung von meinem Fernseher. Auch diese Fernbedienung funktioniert nämlich mit Licht. Das Besondere ist nur, dass wir dieses Licht nicht sehen können. Infrarotlicht ist mit unserem menschlichen Auge nicht wahrnehmbar. Aber trotzdem gibt es dieses Licht und was sie damit machen können, das wissen sie spätestens, wenn sie heute um 17 Uhr beim Spiel Deutschland gegen Mexico vor dem Fernseher sitzen.

Ich glaube, auch das Licht Gottes ist zuweilen wie Infrarotlicht: Manchmal sehen wir es nämlich nicht, wir nehmen es nicht war. Und doch ist es da. Und es kann viel bewirken. Soviel, dass sich in unserem Herzen was ändert, dass wir ‚umschalten‘, das Leben wieder mit neuen Augen sehen und neue Wege wagen können.

Auch dieses verborgene Licht, das wir zuweilen nicht sehen und das doch so viel bewirken kann, auch dieses finde ich bei Johannes. Und ich finde es in der Vergebung: Angesichts der Dunkelheiten des Lebens, angesichts aller Schuld und aller Fehler, die wir machen, sagt Gott: Ich vergebe dir. Das heißt: Gott will uns damit befreien, befreien zu neuem Leben. Und diese Befreiung gilt nicht nur uns Christen, sondern – so sagt Johannes ausdrücklich – für die ganze Welt.

Sich befreien lassen zu neuem Leben, trotz aller Fehler, die sich immer wieder im Leben einschleichen. Wie das konkret aussehen kann, das wissen sie, liebes Ehepaar n.n. und n.n., nach 50 gemeinsamen Jahren sicherlich. Denn sie haben trotz aller Schwierigkeiten und Fehler und Dunkelheiten an diesem verborgenen Licht festgehalten. Oder kurz gesagt: Sie haben an der Liebe festgehalten.

Und auch sie, liebe Frau n.n. und lieber Herr n.n., haben das erlebt: Sie haben sich auch nach dunklen Erfahrungen nicht eingeigelt, sich nicht aus dem Leben zurückgezogen, sondern sie haben sich im wörtlichen Sinne wieder in den Tanz des Lebens gewagt. Und auch sie sind dabei - wieder manches Erwarten - auf das gestoßen, was Johannes in den Mittelpunkt des Lichts und des Lebens stellt. Und das ist die Liebe.

Gott ist das Licht, das Licht der Liebe. Wenn wir in der Liebe bleiben, die Dinge des Lebens in Liebe geschehen lassen, dann bleibt er in uns und wir in ihm. Zuweilen ist dieses Licht wie die Sonne, das unser Leben überhaupt es möglich macht. Zuweilen ist es wie ein Leuchtturm, der uns in dunkler Zeit den Weg weist. Und zuweilen ist es wie das Licht dieser Fernbedienung, das wir zwar nicht sehen können, das uns aber befreien und die Welt immer wieder mit neuen Augen sehen lassen kann.

Und dieses Licht der Liebe berührt mich heute nun nochmal in einer ganz besonderen Weise. Denn als sie, liebes Ehepaar n.n. und n.n., vor 50 Jahren hier in Baabe geheiratet haben, da hat ihnen Pastor Haack einen Bibelvers mit auf den Weg gegeben. Und auch sie, liebe Frau n.n. und lieber Herr n.n., haben sich für ihre Hochzeit einen Trauspruch ausgesucht.

Nicht so verwunderlich ist, dass solche Sprüche von der Liebe handeln. Aber berührend finde ich, dass sie sich völlig unabhängig voneinander den gleichen Trauspruch ausgesucht haben. Und dieser steht im 1. Korintherbrief und lautet: Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen! (1.Korinther 16, 14)

Dass das Licht der Liebe Gottes für sie und durch sie leuchtet, das wünsche ich ihnen als goldenem Hochzeitspaar und das wünsche ich ihnen als grünem Hochzeitspaar. Und in diesem Sinne möchte ich ihnen heute den Segen Gottes mit auf den Weg geben.

Und ich wünsche dieses Licht der Liebe Gottes uns allen. Weil nicht nur für grüne und für goldene Hochzeitspaar, sondern für uns alle gelten sollte: Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen! – Im Licht der Liebe Gottes.

Amen

 

17. Juni 2018, Pastor Olav Metz