Tradition heißt nicht die Asche aufheben, sondern die Flamme
weiterreichen. (Ricarda Huch)

Zur Konfirmation 2020
(mit Exodus 13, 20-22 und Lukas 7, 7-12)

Liebe Gemeinde, vor allem aber:
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

ich habe für diesen Konfirmationsgottesdienst eine Wundertüte im Gepäck. Und in dieser Wundertüte steckt, was ich Euch heute mit auf den Weg geben will. Natürlich – und das ist das Wesentliche – will ich euch heute den Segen Gottes mit auf den Weg geben und der passt natürlich nicht in eine Tüte. Aber ich möchte diesen Segen gerne ein bisschen symbolisieren. Dazu brauche ich diese Tüte und mit ihrem Inhalt will ich dann auch die Konfirmationssprüche zu Wort kommen lassen, die ihr euch ausgesucht habt.

So greife ich jetzt ein erstes Mal hinein und finde als erstes – dies hier. Was ist das? – Klar ein Springseil. Da wird mancher im Stillen jetzt sicherlich denken: Was soll den das bei diesem Konfirmationsgottesdienst? Konfirmation ist doch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Was soll da bitte noch so ein Kinderspielzeug?

Man kann das so sehen, und dann das Kindliche möglichst hinter sich zu lassen versuchen. Man kann es aber auch anders sehen. So nämlich, dass es zur Weisheit des Erwachsenwerdens gehört, sich ein Stück Kindlichkeit zu bewahren, das Spielerische zum Beispiel oder ein Stück Unbekümmertheit.

Und damit bin ich dann schon bei dem ersten eurer Konfirmationssprüche. Es ist der Spruch von Lennart, der im 36. Psalm steht und lautet: Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!  (Psalm 36, 8) Dieser Spruch sagt letztlich genau dies: Auch wenn wir schon erwachsen sind, wir Menschen sind und bleiben Kinder, Gotteskinder. Egal, was kommt, zu Gott können wir immer wieder kommen und bei ihm eine Zuflucht, einen geschützten Raum, eine Seelenheimat finden. – Dir, Lennart, wünsche ich, dass du genau dies auf deinem Lebensweg erlebst und dass du dir dadurch ein Stück Unbekümmertheit der Kindheit bewahrst. Und in diesem Sinne legen wir dein Springseil jetzt zu deiner Taufkerze.

Ich greife jetzt ein zweites Mal in die Wundertüte und habe hier –wieder ein Springseil. Dieses zweite Springseil ist für Dich, Klara, denn dein Konfirmationsspruch lautet nämlich: Was immer du tust, er wird dich beschützen, vom Anfang bis zum Ende, jetzt und in alle Zukunft. (Psalm 121, 8) Dieser Spruch erzählt von der Begleitung Gottes und darauf, dass wir uns auf die immer verlassen können. Und für diesen dauerhaften Segen ist dieses Springseil ein wunderschönes Symbol, und zwar wegen seiner Farben, den Regenbogenfarben. Seit der Noahgeschichte ist der Regenbogen das Zeichen dafür, das Gott an unserer Seite ist und uns begleitet, selbst dann, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht. Dir, Klara, wünsche, dass du dir ein Leben lang sicher bist und bleibst: Gott ist da, darauf kann ich mich verlassen. Und dass du diese Begleitung spürst. (Springseil zur Taufkerze legen)

Soviel zum Regenbogen. Ich greife ein drittes Mal in die Tüte und wer das System verstanden hat, der wird ahnen – ich habe da wieder ein Springseil. Dieses Springseil ist für Thekla und das hat mit einem kleinen Detail zu tun, das sich hier auf dem Griff findet. Da ist nämlich ein Herz drauf. Da drüber steht ‚Gott‘ und darunter ‚dich‘, was also heißt ‚Gott liebt dich‘.

Liebe heißt, dem anderen ins Herz zu sehen, zu sehen wir er wirklich ist. Und genau darum geht es in dem Konfirmationsspruch den du dir ausgesucht hast. Dort heißt es nämlich: Erforsche mich, Gott, und sieh mir ins Herz; prüfe mich und erkenne meine Sorgen und Gedanken. (Psalm 139, 23)

Liebe Thekla, ich wünsche dir für deinen Weg, dass du immer Menschen findest, denen du dein Herz zu öffnen wagst und die deine Sorgen und Gedanken sehen und teilen können. Und ich wünsche dir, dass du spürst: All diese Menschen sind Engel Gottes, die dir nahe sind und dich durch ihre Nähe etwas von seiner Nähe spüren lassen. (Springseil zur Taufkerze legen)

Das vierte Springseil, was ich jetzt vorhole, ist für Arne. Dein Konfirmationsspruch lautet nämlich: Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan. (Lukas 11, 9) Und du hast dir diesen Spruch ausgesucht, weil dir sicher bist: Jeder kann alles schaffen, wenn er nur anfängt.

Wenn er nur anfängt: Das ist der springende Punkt. Nicht warten, sondern die Dinge in die Hand nehmen. Nur so haben wir eine Chance, das Leben zu gestalten und den Segen Gottes auch spürbar werden zu lassen. Genau dafür hat das Springseil zwei Griffe – man hat also alle Hände voll zu tun. Aber anders ist das Leben eben nicht zu haben.

Dir, Arne, wünsche ich damit, dass du zu bitten wagst (also Hilfe suchst, wo es nötig ist), zu suchen wagst (also die Dinge offen angehst) und anzuklopfen wagst (also auch auf neue Türen mutig zugehst). Und ich wünsche dir, dass du – bei allen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten des Lebens – dein Leben so immer gut im Griff hast. (Springseil zur Taufkerze legen)

Ich komme zum fünften Springseil aus meiner Wundertüte. Dieses Springseil ist für Frithjof und es hat was mit der Bestimmung des Springseils zu tun. Ein Springseil ist nämlich dazu da, dass man drüberspringt. Man muss sich bewegen und genau das möchte ich dir, Frithjof, gerne ans Herz legen.

Der Konfirmationsspruch, den du dir ausgesucht hast, der sagt nämlich: Gott, Lehre mich deinen Willen tun, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. (Psalm 143, 10) Und da geht es genau darum, dass wir uns bewegen, auf guten Wegen, also nach seinem Willen. Und auf ebener Bahn, also auf sicheren Wegen. - Dir, Fritjof, wünsche ich, dass so aktiv wirst, dein Leben selber in die Hand nimmst, dich selber kümmerst um dich und andere und Verantwortung übernimmst. Und wenn du gut auf diesem Weg unterwegs bist, dann bin ich mir sicher: Es ist der Geist Gottes, der dich jetzt führt. (Springseil zur Taufkerze legen)

Ein sechsten Springseil habe ich natürlich auch noch und bei dem habe ich an Dich, Max, gedacht. Bei deinem Konfirmationsspruch stand nämlich der Gedanke im Vordergrund, dass wir alle Kraft brauchen, Kraft fürs Leben. Diese Kraft wünscht du dir und hast dir deshalb den folgenden Vers aus dem 138. Psalm ausgesucht: Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft. (Psalm 138, 3) - Ich denke, auch das passt gut mit einem Springseil zusammen, denn wie bekommen wir Kraft? Durch Training natürlich. Und mit einem Springseil kann man ganz hervorragend Körperkraft und Beweglichkeit trainieren.

Nun muss ich natürlich zugeben: Seelenstärke, also inne Kraft, die ist mit diesem Training nicht zu machen. Aber das Springseil ist – in dieser Hinsicht - ja auch nur ein Symbol. Und deshalb wünsche ich dir mit diesem Symbol, dass es dir gelingt, nicht nur die äußeren Kräfte zu stärken, sondern auch die Kräfte der Seele. Denn die braucht es immer dann, wenn wir mit den äußeren Kräften gerade mal nicht weiterkommen. In diesem Sinne auch dir Gottes Segen für den Weg. (Springseil zur Taufkerze legen)

Tja, und dann bin ich schon beim letzten Springseil und das muss jetzt natürlich für Jonathan sein. Deinen Konfirmationsspruch habe ich an den Schluss gestellt, weil ich finde, dass er eigentlich wie eine Zusammenfassung des bisher Gesagten ist. Denn wer der Begleitung Gottes vertraut und die Liebe Jesu spürt, wer sich bewegt und die nötige innere und äußere Kraft findet, wer die Dinge in die Hand nimmt und sich dabei trotzdem ein Stück Kindlichkeit bewahrt, der kann mit Selbstvertrauen und mit Gottvertrauen seinen Weg gehen.

Genau darum geht es in deinem Konfirmationsspruch: Er lautet: Der Herr, vor dem ich meinen Weg gegangen bin, wird dir seinen Engel mitschicken und deine Reise gelingen lassen. (1. Mose 24, 40) Und so wünsche ich Dir, Jonathan, dass du auf deinem Weg genau dies erlebst: Mein Vertrauen war nicht umsonst. Die Engel Gottes begleiten mich und mein Weg gelingen. (Springseil zur Taufkerze legen)

Damit ist meine Tüte leer. Und uns bleibt jetzt nur noch, euch diesen Segen gleich spürbar mit auf den Weg zu geben und euch zu segnen. In diesem Sinne wünsche ich und wünschen wir alle euch alles Gute. Und dann bleibt behütet oder in der Sprache der Bibel

Amen

 

26.9.2020 - Pastor Olav Metz