Tradition heißt nicht die Asche aufheben, sondern die Flamme
weiterreichen. (Ricarda Huch)
Glauben sinnlich
(Mk 14, 3-9)
Liebe Gemeinde,
Manchmal sind es nicht Worte, die uns am tiefsten berühren, sondern das, was wir mit unseren Sinnen sehen, hören, riechen und fühlen. Auch unser Glaube ist nicht nur etwas für den Kopf – er ist erfahrbar mit allen Sinnen. Genau darum geht es heute: um Momente, in denen Gottes Nähe spürbar wird – so konkret wie ein Tropfen Wasser auf der Haut oder ein Duft, der einen ganzen Raum erfüllt.
Kommen sie mit mir auf eine kleine Reise und stellen sich die Geschichte der Salbung Jesu einfach nochmal ganz sinnlich vor.
Jesus ist mit seinen Freunden bei Simon in Betanien zu Gast und plötzlich ist dort eine Frau. Sie hält eine Flasche in den Händen. Sie zerbricht den Hals der Flasche. Ich höre wie die Scherben zu Boden fallen und ich rieche den intensiven Geruch des Nardenöls. Bei Frau Metz habe ich letzte Woche mal an einer Falsche Nardenöl gerochen. Der Duft ist sehr intensiv: er ist süß und zugleich bitter. Das Öl war damals sehr wertvoll, es kam aus dem Himalaya und für so eine Flasche hätte ein Weinbergarbeiter ein ganzes Jahr arbeiten müssen.
Dieses Öl schüttet die Frau auf Jesus aus. Jesus spürt ihre Berührung. Er spürt das Öl auf seinem Kopf. Vielleicht fasst er es ja auch mal mit den Fingern an.
Diese Salbung geschieht kurz vor Beginn Jesus auf seinen Passionsweg nach Jerusalem geht. An der Universität und theologischen Schriften fragt man sich, „Was bedeutet diese Salbung? Ist es die Salbung zum Messias oder die Salbung eines Toten?“
So wie ich die Geschichte verstehe ist es eine Salbung zum Leben, zum Ermutigen. Das Leben kennt ja beide Seiten, die bitteren genauso wie die süßen. Das erleben wir und erlebte Jesus damals. Für mich ist es eine Ermutigung zum Leben, auch für Jesus. Ostern ist für mich das Zeichen, dass diese Ermutigung trägt, auch durch den Tod hindurch. Es ist diese Süße, diese Hoffnung und diese Ermutigung zu der ich mich als Christ immer wieder bekenne.
Und damit komme ich jetzt zu dir Bella: Bella und ich und viele andere von uns, haben etwas gemeinsam. Auch ich wurde als Kind getauft. Danach bin ich stück für stück in den Glauben hineingewachsen. Meine Familie und Kirche hat mir dabei geholfen, in der Christenlehre und im Konfirmationsunterricht. Die Gemeinschaft hat mir gutgetan und mir gezeigt, dass die Taufe damals eine gute Sache war, (auch wenn ich nicht mitentscheiden durfte) - Und Ich wünsche Bella dasselbe eines Tages für sich behaupten kann.
Ich finde es schön, dass wir Bella gerade heute taufen, weil die Taufe (genauso wie die Salbung damals) eine sinnliche Erfahrung ist. Auch wenn sie es uns nicht sagen kann, so wird Bella gleich das Wasser auf ihrem Kopf spüren. Ihre Sinne sind aktiv an der Taufe beteiligt. Wir sehen das Wasser und, Bella spürt es und gemeinsam hören wir hören das Wasser vielleicht plätschern und ihren Taufspruch:
Dieser Spruch steht bei Josua im ersten Kapitel, er lautet: Ich habe dir geboten: Sei mutig und stark. Fürchte dich also nicht und habe keine Angst, denn Gott ist mit dir bei allem, was du unternimmst. (Josua 1, 9) Gott möchte, dass wir Mutig und stark sind, er begleitet uns auf all unseren Wegen. Aber ich muss ehrlich sein, ich selber, ich bin nicht immer mutig und stark. Ich muss danach oft suchen. Und Ich finde diesen Mut und diese Stärke nicht nur durch Worte, sondern auch durch meine Sinne, indem ich bewusst wahrnehme.
Genau wie Bella bin auch ich ein Kind der Küste (Wiek, Nordrügen). Das Wasser ist meine Kraftquelle. Meine Kraftquelle, die mir Stärke und Mut verleiht. Ich muss wenigstens einmal die Woche ans Wasser oder an den Strand. Ohne das geht es mir nicht gut. Der Wind in meinen Haaren und Ohren, pfeift Probleme des Alltags einfach weg und es wächst neuer Mut.
Ich stehe auf dem Sand. Am liebsten ohne Schuhe, damit ich mit meinen Füßen den Sand direkt spüren kann. Ich spüre den sicheren Stand im Sand und wie schwer es mir fällt zu gehen. Erst bin ich davon kurz genervt, doch dann wird es besser. Einen Fuß vor den anderen und schon spüre ich den Widerstand kaum noch. Der Sand macht nicht nur meine Beine stark, sondern auch mich selbst. Das klappt nicht immer, aber oft genug dafür, dass ich die Motivation habe es immer wieder zu versuchen. Ich spüre, Schritt für Schritt, es geht voran und Gott ist bei jedem meiner Schritte bei mir und gibt mir den Mut und die Stärke.
Ich wünsche Bella, dass auch sie immer wieder sinnliche Erfahrungen macht, welche ihr Mut und Stärke gibt. Und ich wünsche ihr Durchhaltevermögen, auch wenn sie es mal nicht finden sollte, dass sie nie aufgibt weiter zu suchen. (?) Denn mal klappt es und mal klappt es nicht.
Aber nicht nur für Bella braucht diese Sinnliche Erfahrungen, sondern wir alle. Und deshalb möchten wir Sie einladen sich am Ende es Gottesdienstes mit einem Tropfen Lavendelöl salben zu lassen. Spüren sie die Berührung und die Salbung auf der Haut und im Herzen. Vielleicht kann das Ihnen Mut und Stärke für ihren Weg geben.
Und Bella, die wir heute taufen, geben wir ein gleiches Fläschchen Öl mit. Damit sie sich später auch noch an die Taufe erinnert und damit sie immer wieder mit allen Sinnen spürt: Sei mutig und stark. Fürchte dich also nicht und habe keine Angst, denn Gott ist mit dir bei allem, was du unternimmst.
Amen
29. März 2026 - Praktikant stud. theol. Malte Knuth
Wenn Sie auf die Predigt reagieren möchten, schreiben Sie einfach eine Email an moenchgut@pek.de. - Ich freue mich über Ihre Gedanken zur Predigt.