Tradition heißt nicht die Asche aufheben, sondern die Flamme
weiterreichen. (Ricarda Huch)

Das Grab ist - leer!
(Mk 16, 1-7)

Olav: Ja, liebe große und kleine Ostergemeinde, ich fange heute mal etwas ungewohnt an. Meine Frage ist nämlich: Wer von euch war denn Weihnachten im Gottesdienst?

(...)

Sehr schön! Und wer war zu Weihnachten in einem Gottesdienst hier auf Mönchgut oder in Sellin?

(...)

Noch besser. Denn alle, die sich jetzt gemeldet habe, kann ich als drittes fragen: Kann sich jemand noch an diese Tasse erinnern? Die hatte ich nämlich mit, weil die mit der Krippe etwas gemeinsam hat.

(...)

Ulrike: Also, ich kann mich noch erinnern: Du hattest die Geschichte von einer bienenfleißigen Reporterin erzählt. Die hat durch diese Tasse gelernt: Das Wichtigste zu Weihnachten ist, das ich in mir Platz mache, Platz dafür, dass Jesus bei mir ankommen kann. Denn die Krippe, das bin ich. Bei mir will er ankommen. Aber solange da kein Platz ist, hat er bei mir keine Chance. Es läuft alles nur über und vorbei. Wie bei dem Tee, den die kluge Nachbarin der bienenfleißigen Reporterin die die eh schon volle Tasse gegossen hatte.

Olav: Genau: Mach Platz bei Dir! Werde leer, damit Jesus einen Platz hat, um bei Dir anzukommen! Das war die Weihnachtsbotschaft. - Mit dieser Botschaft komme ich jetzt zu uns heute:

Heute ist natürlich nicht Weihnachten, sondern Ostern. Aber es gibt etwas, das Weihnachten und Ostern direkt miteinander verbindet. Um das zu entdecken, haben am Eingang hoffentlich alle in einer dieser drei Kisten geschaut. Und was das sollte, das wird euch jetzt unseren Praktikanten Malte Knuth erzählen.

Malte: Danke! Und ja, als erstes frage ich jetzt mal diejenigen, die in die rote Kiste geschaut haben: Was war denn da drin?

(...)

Die war leer? – Na, das ist ja nicht zu fassen! - Dann wüsste ich jetzt gerne mal, was in der blauen Kiste war:

(...)

Auch nichts! Und in der gelben?

(...)

Auch nichts. – All waren leer!
Aber so seltsam es vielleicht klingen mag, genau darum geht es, zu Ostern genauso wie zu Weihnachten: Dass wir leer werden. Zu Weihnachten sehen wir das an der Krippe. Und zu Ostern sehen wir das am Grab, das auch leer ist!

Nicht der tote Jesus, sondern der der lebendige Christus ist der Grund von Ostern. Leben gibt es nur dort, wo Platz ist, wo Licht ist und wo es Freiräume gibt. Genau das will Gott auch für unser Leben. Jesus ist gestorben und auferstanden, damit wir das begreifen. Und das leere Grab, das ist dafür das Osterzeichen.

Olav: Danke Malte. Nun klingt das natürlich erstmal sehr theoretisch. Und deshalb haben wir uns gedacht, wir stellen diese großen theologischen ‚Leer‘-Sätze mal einfach auf den Boden der nackten Tatsachen.

Es gibt nämlich Dinge, die funktionieren und nur funktionieren, weil sie leer sind! Drei dieser Dinge haben wir heute hier, weil wir von ihnen etwas für Ostern und für unseren Glauben lernen können. Und als erstes frage ich jetzt mal Ulrike: Was hast du denn in an ‚Leergut‘ in deinem Ostergepäck?

Ulrike: Also, ich habe hier eine Glaskiste. Sowas benutzt man in der Küche. Man kann was reintun, den Deckel drauf machen und es so in den Kühlschrank stellen. So bleibt es länger frisch und trocknet trotzdem nicht aus.

Das ist jetzt aber noch nicht alles, denn hier habe ich noch etwas anderes. Das ist eine Pumpe. Und mit der kann ich jetzt pumpen: Ich kann die Luft aus dieser Kiste herauspumpen. (auspumpen)

Jetzt ist die Kiste leer, luftleer. Und das Überraschende ist: Jetzt, wo die Luft raus ist, kriege ich die Kiste nicht mehr auf! Das Vakuum in der Kiste sorgt dafür, dass sie fest verschlossen ist.

Genau betrachtet ist es natürlich nicht das Vakuum selber, das den Deckel festhält, sondern der Luftdruck, der sie von außen zudrückt. Aber erst durch die Leere in der Kiste können wir sehen, welche ungeheure Kraft da um uns herum sozusagen in der Luft liegt.

Olav: Ja, und wenn ich das auf Ostern beziehe, dann würde ich sagen: Das leere Grab zeigt uns, welche unglaubliche Kraft uns umgibt, auch wenn wir sie oft gar nicht wahrnehmen. Als Christen glauben wir, dass dies die große Kraft Gottes ist.

Aber: auch die können wir nur spüren, wenn wir alles, was uns anfüllt, loslassen und leer werden. Oft ist das gar nicht so leicht. Aber wenn wir das schaffen, dann können sich auch bei uns Gräber öffnen. Es gibt neues Leben und wir spüren dann die Kraft von Ostern mitten in unserem Leben.

Soviel zu dieser Kiste. Als zweites schauen wir jetzt mal, was, du, Malte, im Gepäck hast.

Malte: Ja, was ich hier habe, das kennt ihr alle - eine Glühbirne. In dieser Glühbirne ist ein Draht. Wenn der Strom bekommt, leuchtet er und wir können auch im Dunklen was sehen.

Was man nicht sieht, ist: Auch diese Glühbirne ist leer, luftleer. Und das ist ganz wichtig. Denn wäre da Luft drin, dann könnte die Lampe nicht leuchten! Weil der Draht dann nur kurz aufleuchten würde und dann verglühen wäre.

Die Lampe kann also nur in einem leeren Raum leuchten. Und ich finde, auch das ist ein schönes Bild für Ostern. Erst das leere Grab – das leere(!) Grab - bringt das Licht von Ostern zum Leuchten! Dieses Licht leuchtet uns, aber genauso sollen auch wir selber es leuchten lassen. Denn Jesus sagt nicht nur Ich bin das Licht der Welt, sondern genauso Ihr seid das Licht der Welt. Und Ostern ist, wenn dieses Licht leuchtet, für uns und durch uns.

Ulrike: Das leere Grab ist ein Zeichen für die Kraft Gottes. Und es ist ein Zeichen für das Licht von Ostern: Spannend! Aber, Olav, hattest du nicht auch noch was mit?

Olav: Ja, hab ich. Und das ist sogar etwas, was wir alle haben. Wir alle haben nämlich eine Lunge. Durch sie können wir einatmen und ausatmen. Und ohne sie könnten wir alle nicht leben.

Nun gibt es aber Menschen, und zu denen gehöre ich, bei denen dass nicht immer ganz reibungslos funktioniert. Asthma nennt man das. Da kriege ich dann plötzlich nicht mehr so richtig Luft und ich muss Medizin nehmen, damit das wieder funktioniert.

Das Überraschende aber ist: Ich kriege nicht deshalb keine Luft, weil die Lunge leer ist, sondern weil sie zu voll ist! Deshalb nützt es dann auch nix, noch mehr einatmen zu wollen. Ich muss vielmehr ausatmen. Ich muss Platz schaffen und leer werden, weil ich erst dann wieder richtig einatmen kann.

Ich kann euch sagen, wenn ich dann wieder ordentlich Luft kriege, dann ist das richtig befreiend. Und deshalb ist das leere Grab für mich auch ein Zeichen für die Freiheit, die Gott uns geben will. Denn Freiheit brauche ich nicht nur beim Atmen. Ich brauche sie in meinem ganzen Leben, damit ich mich nicht mit unnötigen Dingen vollstopfen und am Ende nicht mehr frei leben kann.

Malte: Sehr schön, dann mache ich jetzt mal einen Schlusspunkt und fasse zusammen: Das leere Grab zeigt uns erstens, dass uns die große Kraft Gottes immer umgibt. (Ulrike Dose zeigen)

Es zeigt uns zweitens, dass uns sein Licht leuchtet und dass wir dieses Licht selber leuchten lassen können. (Malte Glühbirne zeigen)

Und es zeigt uns drittens, dass wir unser Leben in der großen Freiheit leben können und sollen, die Gott uns schenkt. (Olav atmen)

Olav: Wichtig ist aber, dass wir dafür immer wieder den nötigen Freiraum schaffen, zu Ostern genauso, wie zu Weihnachten. Dass, wir leer werden wie diese Tasse oder eben das Grab.

Ulrike: Dann werden seine Kraft, seine Freiheit und sein Licht in uns und durch uns lebendig. Und dann ist wirklich Ostern!

Amen

 

Ostersonntag 2026 - Olav Metz, Malte Knuth und Ulrike Metz

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